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Impostor-Syndrom – Warum wir glauben, nicht gut genug zu sein

Psyche & Zeitgeist – Zwischen Mindset und Menschsein
„Irgendwann werden sie merken, dass ich eigentlich nichts draufhabe.“ – Ein Gedanke, den erstaunlich viele erfolgreiche Menschen kennen. Ob Manager, Künstler, Wissenschaftler oder Studierende – das Gefühl, den eigenen Erfolg nicht verdient zu haben, ist weiter verbreitet, als man denkt. Doch warum zweifeln so viele Menschen an sich selbst, selbst wenn sie objektiv gut in dem sind, was sie tun? Willkommen im Impostor-Syndrom.
Was ist das Impostor-Syndrom?
Das Impostor-Syndrom beschreibt ein tief sitzendes Gefühl, trotz offensichtlicher Erfolge nicht fähig genug zu sein. Betroffene haben das ständige Gefühl, sie hätten ihre Leistungen nur durch Glück oder Täuschung erreicht – und es sei nur eine Frage der Zeit, bis jemand sie „enttarnt“. Dieses Phänomen wurde erstmals 1978 von den Psychologinnen Pauline Clance und Suzanne Imes beschrieben.
Typische Gedanken beim Impostor-Syndrom:
- „Eigentlich bin ich gar nicht so gut, wie alle denken.“
- „Ich hatte einfach nur Glück, das hätte jeder andere auch geschafft.“
- „Bald wird jemand herausfinden, dass ich gar nichts kann.“
- „Ich kann mich nicht über meinen Erfolg freuen, weil ich ihn nicht verdient habe.“
Das Fatale daran? Diese Gedanken führen oft dazu, dass Menschen sich selbst sabotieren, überarbeiten oder ihre eigenen Leistungen kleinreden.
Warum haben so
viele Menschen das Gefühl, nicht gut genug zu sein?
- Soziale Vergleiche und Social Media
Wir sehen täglich die Erfolge anderer – doch nur selten ihre Zweifel und Niederlagen. Instagram & Co. verstärken die Illusion, dass alle anderen „es geschafft haben“ – nur wir selbst nicht. - Perfektionismus als Selbstsabotage
Menschen mit Impostor-Syndrom neigen oft zu Perfektionismus. Sie setzen sich extrem hohe Standards – und wenn sie diese nicht erreichen, fühlen sie sich unzureichend. - Lob und Erfolg fühlen sich fremd an
Betroffene tun sich schwer damit, Anerkennung anzunehmen. Sie denken: „Die anderen übertreiben, ich bin doch gar nicht so gut.“ - Gesellschaftliche Erwartungen und Druck
Besonders Frauen und Minderheiten sind oft stärker betroffen, weil sie mit zusätzlichen gesellschaftlichen Erwartungen konfrontiert werden. - Erzählerische Verzerrung der Vergangenheit
Rückblickend erscheinen Erfolge oft als „Glückstreffer“. Dass harte Arbeit und Fähigkeiten zum Erfolg geführt haben, wird ausgeblendet.
Wie kann man das Impostor-Syndrom überwinden?
1. Die eigenen Gedanken hinterfragen
Frage dich: Gibt es objektive Beweise dafür, dass ich „unfähig“ bin? Die Antwort ist fast immer nein.
2. Erfolge schriftlich festhalten
Führe eine Liste mit Erfolgen, erhaltenem Lob und positiven Rückmeldungen. Das hilft, das verzerrte Selbstbild zu korrigieren.
3. Sich bewusst machen: Niemand ist perfekt
Selbst die erfolgreichsten Menschen zweifeln. Fehler sind normal – und kein Beweis für Inkompetenz.
4. Lob annehmen lernen
Statt „Ach, das war doch nichts“ lieber sagen: „Danke, ich habe mich wirklich bemüht.“
5. Mit anderen darüber sprechen
Das Impostor-Syndrom lebt von Isolation. Je mehr wir darüber reden, desto mehr merken wir: Fast jeder kennt dieses Gefühl.
6. Mentale Reframing-Techniken nutzen
NLP (Neurolinguistisches Programmieren) kann helfen, negative Gedankenmuster zu durchbrechen. Statt „Ich bin nicht gut genug“ bewusst sagen: „Ich habe mir meinen Erfolg verdient.“
Fazit: Du bist kein Betrüger – du bist gut in dem, was du tust
Das Impostor-Syndrom ist kein Zeichen von Schwäche – im Gegenteil: Es zeigt, dass wir reflektieren und uns weiterentwickeln wollen. Doch der Schlüssel liegt darin, zu erkennen: Erfolg kommt nicht durch Glück, sondern durch Fähigkeiten und harte Arbeit.
Hinterfrage deine Selbstzweifel, nimm deine Erfolge bewusst wahr – und erinnere dich daran: Du bist genau da, wo du sein sollst.