HP Psychotherapie
FOMO: Wenn das Leben der anderen besser scheint – und wie du aus der Vergleichsfalle ausbrichst

Psyche & Zeitgeist – Zwischen Mindset und Menschsein
„Stressed Out“ von Twenty One Pilots bringt es auf den Punkt: Die Sehnsucht nach dem Früher, die Angst, nicht genug zu sein, der Druck, immer mehr zu erleben. Genau das ist FOMO – die ständige Angst, dass das Leben woanders aufregender ist und wir es verpassen. Aber was, wenn wir stattdessen lernen, bewusst zu wählen?
Du sitzt auf der Couch, das Handy in der Hand. Eigentlich wolltest du nur kurz durch Instagram scrollen – aber plötzlich fühlt es sich an, als ob dein eigenes Leben im Schneckentempo an dir vorbeizieht. Lisa ist gerade in Thailand, Jan hat seinen Traumjob bekommen, Marie hat sich verlobt. Und du? Du hängst hier rum und fragst dich, ob du irgendwas falsch machst.
Dieses Gefühl hat einen Namen: FOMO – Fear of Missing Out. Die Angst, etwas zu verpassen. Die Angst, dass alle anderen ein aufregenderes, besseres Leben haben. Die Angst, dass du nicht genug aus deiner Zeit machst. Und genau diese Angst treibt uns an, noch schneller, noch mehr, noch besser sein zu wollen – ohne jemals wirklich anzukommen.
Warum FOMO so tief in uns steckt
FOMO ist kein neues Phänomen. Früher war es der Blick über den Gartenzaun, heute ist es der tägliche Vergleich mit Tausenden von Leben auf Social Media. Doch die Psychologie dahinter ist uralt: Unser Gehirn ist darauf programmiert, nach sozialer Zugehörigkeit zu streben. Denn in der Steinzeit bedeutete „nicht dabei sein“ oft ein reales Risiko – Ausschluss aus der Gruppe konnte lebensbedrohlich sein.
Heute sind wir sicherer als je zuvor. Doch unser Gehirn hat das noch nicht ganz verstanden. Der ständige Vergleich lässt uns glauben, dass wir „mehr“ brauchen, um glücklich zu sein. Mehr Erlebnisse. Mehr Status. Mehr Abenteuer. Und genau hier fängt das Problem an.
Die Psychologie hinter FOMO
- Sozialer Vergleich und die Illusion des perfekten Lebens
Wir vergleichen unser Innenleben mit der perfekten Außenwelt der anderen. Aber: Niemand postet seine schlechten Tage. Niemand teilt seine Selbstzweifel oder die Abende, an denen er sich genauso fühlt wie du. - Das Belohnungssystem unseres Gehirns
Jedes Mal, wenn wir etwas Neues erleben oder Anerkennung bekommen, schüttet unser Gehirn Dopamin aus – ein kleiner Glückskick. Social Media hat das perfektioniert. Likes, neue Storys, Push-Benachrichtigungen – unser Gehirn wird darauf konditioniert, immer wieder nach neuen Reizen zu suchen. - Kognitive Verzerrungen: Das Glück der anderen wirkt immer größer
Unser Verstand spielt uns einen Streich. Wenn wir sehen, wie jemand in der Sonne Cocktails schlürft, denken wir automatisch, dass sein Leben insgesamt besser ist als unseres. Dabei sehen wir nur einen Bruchteil seiner Realität.
Wie du aus der FOMO-Falle aussteigst
- Von FOMO zu JOMO: Die Freude am Verpassen entdecken
Stell dir vor, du verpasst bewusst Dinge – und es fühlt sich gut an. Du sagst „Nein“ zu einem Event, weil du lieber Zeit für dich brauchst. Du schaltest dein Handy aus und genießt den Moment. JOMO – Joy of Missing Out ist der bewusste Gegenentwurf zu FOMO: Das Gefühl, sich nicht stressen zu lassen, sondern das Hier und Jetzt zu genießen. - Psychologischer Shift: FOMO als Chance zur Reflexion nutzen
Anstatt dich schlecht zu fühlen, frag dich: Warum triggert mich das gerade? Geht es um das Event selbst oder um ein tieferes Bedürfnis? Fehlt dir wirklich das Erlebnis – oder geht es um Anerkennung, Zugehörigkeit, Selbstwert? - Digitale Detox-Strategien
- Reduziere deine Bildschirmzeit bewusst. Setze dir Social-Media-freie Zeiten.
- Entfolge Accounts, die dir ein Gefühl von Mangel vermitteln.
- Nutze Social Media bewusst: Folge inspirierenden Inhalten statt reiner Selbstdarstellung.
- Mindset-Übung: Dein persönliches Werte-Manifest
Statt dich von den Leben der anderen lenken zu lassen, werde dir bewusst, was deine Werte sind. Nimm dir ein Blatt Papier und schreibe auf:Das gibt dir Klarheit – und die brauchst du, um FOMO loszulassen. - „Ich bin am glücklichsten, wenn…“
„Mein Leben fühlt sich erfüllt an, wenn…“
„Ich tue Dinge nicht für Likes, sondern weil…“
Fazit: Dein Leben ist jetzt – nicht auf Instagram
FOMO ist eine Illusion. Eine optische Täuschung unseres Verstandes. Die Wahrheit ist: Du verpasst nie das falsche Leben. Du kannst gar nicht alles erleben – und das ist okay. Das Wichtigste ist, dass du dein Leben bewusst gestaltest. Dass du Momente nicht nur festhältst, sondern wirklich fühlst.
Vielleicht ist genau jetzt der Moment, dein Handy wegzulegen, einen tiefen Atemzug zu nehmen und dir zu sagen: Ich bin genau dort, wo ich sein soll.
Brauchen Sie Unterstützung?
Wenn das Gefühl, etwas zu verpassen, Ihr Leben dominiert und Sie sich dadurch unruhig oder unzufrieden fühlen, kann es helfen, mit jemandem darüber zu sprechen. In unserer Praxis Flourish begleiten wir Sie dabei, innere Ruhe zu finden, Ihren Selbstwert zu stärken und bewusste Entscheidungen für ein zufriedenes Leben zu treffen.
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