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Doomscrolling – Warum wir nicht aufhören können, schlechte Nachrichten zu konsumieren

Psyche & Zeitgeist – Zwischen Mindset und Menschsein
„Bad news are stronger than good.“ – Schlechte Nachrichten haben eine größere Wirkung auf uns als gute. Ein Terroranschlag, eine Naturkatastrophe oder wirtschaftliche Krisen – all das hält uns in einem endlosen Strudel aus negativen Schlagzeilen gefangen. Wir wissen, dass es uns nicht guttut, aber trotzdem können wir nicht aufhören zu scrollen. Doch warum? Und was macht das mit unserer Psyche?
Was ist Doomscrolling?
Doomscrolling beschreibt das zwanghafte Konsumieren negativer Nachrichten – oft über Stunden hinweg. Statt nach einer Meldung abzuschalten, klicken wir weiter. Wir springen von einer Krise zur nächsten, von einer Katastrophe zur anderen. Die Folge: Ein Gefühl der Hilflosigkeit, Angst und dauerhafter Stress.
Das Phänomen hat sich besonders in den letzten Jahren verstärkt: Pandemie, Kriege, Klimawandel, Wirtschaftskrisen – durch Social Media sind wir permanent mit schlechten Nachrichten konfrontiert. Doch unser Gehirn ist nicht dafür gemacht, all das zu verarbeiten.
Warum sind schlechte Nachrichten so anziehend?
- Unser Gehirn ist auf Gefahren fokussiert
Evolutionsbedingt sind wir darauf programmiert, Gefahren zu erkennen und darauf zu reagieren. Früher war das notwendig, um zu überleben. Heute führt es dazu, dass wir uns mehr auf negative Nachrichten konzentrieren als auf positive. - Dopamin und der Belohnungsmechanismus
Auch negative Nachrichten aktivieren unser Belohnungssystem – paradoxerweise sorgt das ständige Suchen nach Updates für eine Art kurzfristigen „Kick“. - Kontrollillusion: Wir wollen vorbereitet sein
Indem wir immer mehr Informationen konsumieren, glauben wir, Kontrolle über das Geschehen zu gewinnen – obwohl das Gegenteil der Fall ist. - Der Algorithmus verstärkt das Problem
Soziale Netzwerke zeigen uns genau das, was uns fesselt – und negative Nachrichten binden unsere Aufmerksamkeit stärker als positive. Je mehr wir scrollen, desto mehr Negatives bekommen wir angezeigt.
Die Auswirkungen auf unsere Psyche
- Chronischer Stress und Angstgefühle
- Gefühl der Hilflosigkeit und Resignation
- Konzentrationsprobleme und innere Unruhe
- Schlechter Schlaf durch dauerhafte Reizüberflutung
- Erhöhte Reizbarkeit und negative Grundstimmung
Wie du dem Doomscrolling entkommst
1. Bewusste Nachrichtenaufnahme statt endlosem Scrollen
- Setze feste Zeiten für Nachrichtenkonsum (z. B. morgens und abends 15 Minuten).
- Vermeide News-Apps direkt nach dem Aufstehen oder vor dem Schlafen.
2. Quellen bewusst auswählen
- Vertraue auf seriöse Nachrichtenquellen statt Social-Media-Feeds.
- Begrenze die Anzahl an Plattformen, auf denen du Nachrichten konsumierst.
3. Negativen Nachrichten positive Inhalte entgegensetzen
- Lies bewusst positive Berichte oder inspirierende Geschichten.
- Nutze Social Media auch für positive und aufbauende Inhalte.
4. Achtsamkeit und bewusste Pausen einbauen
- Atemübungen oder Meditation helfen, sich zu zentrieren.
- Gehe bewusst raus, ohne aufs Handy zu schauen.
5. Die eigenen Gedanken hinterfragen
- Frage dich: „Hilft es mir wirklich, noch mehr schlechte Nachrichten zu lesen?“
- Erkenne, dass du nicht alle Probleme der Welt alleine lösen kannst.
Fazit: Weniger Doomscrolling, mehr Kontrolle über das eigene Wohlbefinden
Schlechte Nachrichten sind allgegenwärtig – aber wir haben die Wahl, wie wir damit umgehen. Indem wir unseren Medienkonsum bewusster steuern, uns von Endlosschleifen negativer Inhalte lösen und unser eigenes Wohlbefinden priorisieren, können wir aus der Doomscrolling-Falle entkommen. Denn wahre Kontrolle beginnt mit der Entscheidung, worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten.
Brauchen Sie Unterstützung? Wir sind für Sie da!
Wenn Sie merken, dass Doomscrolling Ihre Stimmung und Ihr Wohlbefinden beeinträchtigt, kann eine bewusste Veränderung Ihres Medienverhaltens helfen. In unserer Praxis bieten wir psychologische Beratung und Achtsamkeitstechniken, um sich von negativen Nachrichtenspiralen zu lösen.
Vereinbaren Sie einen Termin – für mehr innere Ruhe und weniger digitale Belastung.